DIE TIGER-MEDIZIN

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TIGER-MEDIZIN

TIGER-MEDIZIN

DIE TIGER–MEDIZIN



Die Tiger-Medizin ist absolute Präsenz und Gewahrsein der eigenen Kraft.
Bewusstheit des eigenen Körpers und jeder einzelnen Faser in ihm.
Eine unglaubliche Eleganz und Sanftheit in der Bewegung, trotz des großen Gewichts und seiner Masse. Pure Muskelkraft.
Achtsamkeit der Natur gegenüber.
Daraus resultierend die unnachgiebige Verfolgung oder Bestrafung der Missachtung, der Respektlosigkeit und des Unverbundenseins mit der Natur.
Wer den Tiger nicht achtet, wird bedingungslos gerichtet.

Das Erfahren der Tiger-Medizin erlebte ich In Kerala, Süd-Indien. Auf meiner Ayurveda-Kur in den Bergen Keralas hatte ich das Glück, einen wunderbaren Arzt, Dr. Harish Babu, zu begegnen. Er ist ein weiser, spiritueller Ayurveda-Arzt und Heiler. Wir haben viele Nachmittage bei einer gemeinsamen Tasse Tee mit intensivem Gedankenaustausch über die Dinge des Lebens, seinen Sinn und unsere spirituelle Entwicklung verbracht. Diese Stunden waren sehr wertvoll für mich. In den Gesprächen gab es so etwas wie einen Leitfaden. Dieser Leitfaden stellte das Buch "The Power of Now" von Eckhart Tolle dar, von dem Dr. Harish absoluter Fan war, da es die hinduistischen Werte so schön mit denen der europäischen, spirituellen Kultur verbindet.

TIGER–MEDIZIN

Einmal habe ich mich zu einem meditativen Spaziergang auf in die nähere Umgebung des Zentrums gemacht. Ein Weg hinter dem Haus führte zu einer kleinen Kräuter-Manufaktur, ca 1 km Wand sich eine kleine Teerstraße in absoluter Einsamkeit durch die Teeplantagen in den Hügeln Keralas. Das Zentrum liegt am Rande eines Nationalparks, eines der letzten Tigerreservate unserer Erde.

Ich bin ganz alleine den Weg entlang gewandert, in völliger Stille und Einheit mit der Natur. Auf halbem Wege beschloss ich mich hinzusetzen, mitten auf die unbefahrene Straße und mit Blick über die wunderschöne Landschaft eine Meditation einzulegen. Ich setzte mich im Schneidersitz hin und versank mit offenen Augen in der Natur.

Nach einiger Zeit der freudvollen Versenkung und dem absoluten Eins-Sein mit der Natur, verspürte ich den plötzlichen Impuls mich nach hinten zu meiner linken Seite um zu sehen, so wie wenn man manchmal spürt, dass eine Person hinter uns stehend, einen beobachtet.

Mein Blick fiel auf einen Tiger, der in aller Ruhe und Schönheit, die Straße überquerte, vielleicht 20 Meter von mir entfernt. Er kam aus dem oberen Bereich der Teeplantagen und verschwand den Hügel hinab im unteren Teil des Grüns. Er wandte seinen Blick nicht einen Moment zu mir, und doch wusste ich sofort, dass er mich schon lange vorher gesehen und beobachtet hatte.

Diese Grazie und die Leichtigkeit, diese unglaubliche Präsenz mit der er sich bewegte, mit der er einen Fuß vor den anderen setzte, das Gewahrsein seiner eigenen Kraft, einer jeden Muskelfaser seines Körpers, sowie die Verbindung, die er mit diesem Land und seiner Natur hat, waren meine Wahrnehmung. Die vollendete Schönheit, das Eins-Sein mit der Natur und die vollkommene Präsenz dieses Tieres haben mich total beeindruckt und fasziniert.

In diesem Augenblick dachte ich bei mir: "Oh, du hast ja schon bei offenen Augen Visionen von Tigern, deine Hellsichtigkeit wird immer ausgeprägter!"
Ich überlegte, was hätte passieren können, wenn dies ein echter Tiger gewesen wäre, ob er mich dann wohl angegriffen hätte? Ich hätte vielleicht versuchen können zu flüchten, auf einen der kleinen Teebäume hinauf. Es wäre natürlich lächerlich gewesen. Der Baum viel zu niedrig und auf halbem Weg nach oben hätte mich der Tiger längst eingeholt, am Hintern gepackt und nach unten gezerrt. Ich hätte keine Chance gehabt zu entkommen, wenn er hungrig gewesen wäre. Ich hätte mich nur hingeben können, im Annehmen meines Schicksals das Mittagessen eines Tigers zu sein. In meiner meditativen Stimmung konnte ich das wunderbar akzeptieren und fühlte mich glücklich und erfüllt diese wunderbare Erfahrung in Mutter Natur erlebt haben zu dürfen. Samt der Fähigkeit mein Leben dem Tiger geben zu dürfen, wenn es die Zeit dafür gewesen wäre.

Eine Weile bin ich noch sitzen geblieben, doch dann wurde ich unruhig und beschloss meinen Rückweg anzutreten. Als ich die Stelle passierte, an der der Tiger die Straße überquerte, schauderte ich einen Moment. Die Energie fühlte sich hier ganz anders an als an meinem Fleck ein Stückchen weiter. Einen Moment durchfuhr mich der Gedanke "und wenn es doch ein echter Tiger war und keine Vision?" Ich schob ihn sofort zur Seite. Und doch hatte ich es plötzlich sehr eilig zurück zum Zentrum zu kommen.

Am nächsten Morgen las ich wie üblich nach dem Frühstück die Zeitung. Dort las ich zu meinem Erstaunen, dass sich am Vortag ein Tiger aus dem Reservat in die umliegenden Dörfer verirrt hatte. In der Nacht wurde ein Bewohner auf seinem Heimweg ins Dorf durch die Teeplantagen von ihm überrascht. Er versuchte sich auf einen Baum zu retten, doch der Tiger erwischte ihn am Rücken, zog ihn herab und verletzte ihn schwer!

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